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Die Entwicklung der Manuellen Lymphdrainage

Oder: Dr. Emil Vodder - Sein Leben und die Manuelle Lymphdrainage

vodder4Emil Vodder wurde am 20. Februar 1896 in Alt-Kopenhagen geboren. Nach Absolvierung der Schule studierte er Zeichnen und Kunstgeschichte sowie vergleichende Sprachstudien mit 10 Sprachen. Danach war er 6 Jahre am königlichen Seekarten-Archiv in Kopenhagen tätig. Als Hobby studierte er Gesang und Cello. An der Universität in Kopenhagen belegte er Biologie, Mineralogie und Botanik und begann gleichzeitig das Studium der Medizin, Zytologie und Mikroskopie. Die physikalische Medizin hat schon früh sein Interesse geweckt. Im 8. Semester musste er wegen einer Malaria-Erkrankung sein Studium unterbrechen und wurde danach nicht mehr zur Beendigung seines Medizinstudiums zugelassen. 1928 verlieh ihm die Universität in Brüssel den Dr.phil für eine kunstgeschichtliche Dissertation. Im Jahr 1929 übersiedelte er mit seiner Frau Estrid, die Heilpraktikerin war, nach Frankreich an die französische Riviera. Dort arbeitete er in seinem Institut für physikalische Therapie in Cannes mit Patienten.

Vodders erste Behandlungserfolge

Ab dem Jahr 1929, als Vodder mit Patienten arbeitete und Erfahrungen sammelte, stellte er erste Hypothesen auf, die zu jener Zeit abenteuerlich waren. Bei Patienten, die an unreiner Haut, Migräne oder Sinusitis litten, palpierte er geschwollene Lymphknoten am Hals. Er hatte die Vision, dass Stauungen in den geschwollenen Lymphdrüsen (heute Knoten) die tiefere Ursache für diese Leiden waren. Die Lymphknoten konnten ihre Aufgabe, das Gewebe zu reinigen, nicht mehr erfüllen. Seine Überlegung war, ob man durch eine adäquate Massageart die Stauungen beheben konnte, wie wenn man die Schleusen eines Staudammes öffnet. Vorsichtig kreisende Pumpbewegungen mit der Haut brachten das in seiner Vorstellung existierende Ergebnis. Die Pioniertat war - vielleicht würden einige es auch Leichtsinn nennen -dass er die geschwollenen zervikalen Lymphknoten behandelte, obwohl es ein absolutes Tabu war, die Lymphknoten nur zu berühren. Die Beschwerden verschwanden und er fragte sich, ob er damit eine erfolgreiche Universaltherapie des lymphatischen Syndroms gefunden hatte.

1933 zog das Ehepaar nach Paris und setzte dort seine biologischen Studien fort.

Besonders widmeten sie sich der Anatomie und Physiologie des Lymphgefäß-Systems. In einem Atlas fand Vodder eine Sammlung sehr schöner Kupferstiche des Anatomen Sappey (Description et iconographie des vaisseaux lymphatique concidérés chez l'homme et de les vertébrés, Paris 1885). Diese Kupferstiche waren im Wesentlichen die Grundlage für eine systematische und klare Arbeitsmethode, die Emil Vodder sich durch Intuition und viele praktische Behandlungen erarbeitete. Eine völlig neue Grifftechnik war notwendig, die er mit pumpenden Kreisbewegungen und einem sehr leichten Druck durchführte, um unter allen Umständen eine Durchblutungserhöhung zu vermeiden. Es bleibt Vodders Verdienst, mit seiner von ihm geschaffenen Technik, mit dieser differenzierten Handführung uns eine Therapie in die Hand gegeben zu haben, mit der der Therapeut Pathologie-bezogen arbeiten und unendlich Gutes tun kann.

1936 stellte Emil Vodder seine Methode, die er MANUELLE LYMPHDRAINAGE NACH Dr. VODDER nannte, in Paris der Welt vor.

Der langsame Durchbruch für die Lymphdrainage

vodder2Erst zu Beginn der 50er Jahre kamen Einladungen aus europäischen Ländern, um seine Methode dort mit Vorträgen und Kursen zu verbreiten. 1966 entstand ein erster Kontakt zwischen Günther Wittlinger und Vodder. Das Problem jener Zeit war, dass kein Mediziner oder auch Wissenschaftler sich vorstellen konnte, dass man mit einer manuellen Technik das Lymphgefäß-System positiv beeinflussen kann. Ein Markstein für den Nachweis der entstauenden Wirkung der ML war eine Aussage von Prof. Mislin, nämlich die dass mit der besonderen Technik der Vodderschen Lymphdrainage, mit ihren leichten kreisenden Bewegungen mit der Haut, mit dem anschwellenden und abschwellenden Druck die Lymphgefäße - also die Lymphangione - der Haut zu vermehrten Kontraktionen angeregt werden. Prof. Mislin sagte wörtlich: wenn Vodder seine Methode nicht in dieser Weise geschaffen hätte, müssten wir sie umgehend erfinden. Das war in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die von Dr Vodder geschaffene Methode ist einfach, aber genial, schwierig zu lernen aber einzigartig in ihrer Wirkung. Die zarten stets auf das Gewebe eingehenden Kreisbewegungen vermitteln dem Patienten neben aller therapeutischen Wirkung ein angenehmes Gefühl.  Schlussendlich wurde die Methode wurde in Deutschland kassenüblich.

Bei den vielen Begegnungen lernte die Familie Wittlinger Emil Vodder als einen gebildeten und diskussionsbereiten Mann kennen. Dr. Emil Vodder hat uns viel gelehrt, gezeigt und vorgelebt. Seine Worte waren uns Ansporn: "Das größte Ziel unseres Lebens muss es sein, unseren Weg zu finden und zu erkennen, dass es unser Weg ist und ihn dann konsequent gehen." Emil Vodder hat danach gelebt und hat in Günther Wittlinger den Kämpfer an seiner Seite gefunden, der es möglich machte, dass die Methode in ihrer Originalität bis heute fortbesteht. Vom Verband Physikalische Therapie wurde Dr. Vodder 1985 in Anerkennung seines Lebenswerkes die Rohrbach-Medaille verliehen. Mit dieser Medaille war gleichzeitig die Bestätigung eines Berufsverbandes verbunden, dass Emil Vodder der Schöpfer und Namensgeber seiner Methode ist: der Manuellen Lymphdrainage nach Dr. Vodder.

Vodder ist im Februar 1986 kurz vor seinem 90sten Geburtstag in Kopenhagen verstorben. Seine Frau Estrid hat ihm in vielen Jahren treu zur Seite gestanden, hat bei seinen Kursen assistiert und ihn auf vielen Vortragsreisen begleitet. Sie ist 10 Jahre später kurz vor ihrem 100sten Geburtstag gestorben. Es gibt wohl wenige Menschen, die die physikalische Therapie so nachhaltig geprägt und bereichert haben wie Emil Vodder.

Viele Wissenschaftler, Ärzte und Therapeuten haben dazu beigetragen, dass die von ihm vor mehr als 75 Jahren geschaffene Manuelle Lymphdrainage nunmehr weltweit Zugang und Anerkennung in der Medizin und Physiotherapie findet.

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